In der Buchhandlung Windsaat eine Lesung mit Hilde Gött

Ich ging in die Lesung, um andere Betroffene zu „Atmen“.
Im Raum zu sein mit anderen, deren Kind sich dass Leben genommen haben.
Ich ging hin um Mut zu tanken, für mein eigenes Rausgehen aus der Zwangjackenlähmung „Tabu Suizid“. Um Hilde Gött und Ihren Mann Franz Müller-Gött zu sehen, wie sie den Schmerz und die Liebe zu Bobu raus gehen lassen in die Welt mit Text und Musik

Fragen
Fragen!
Ich steht in der Küche, in dieser meiner schwachen Lebenszeit, die nun schon so lange anhält.
Und merke wie schwach ich bin. Wie sehr mich der andauernde Schmerz meiner Wunde schwächt.
Und da Frage ich mich: wie ging es Helio. Wie ging es Helio mit seinen Schmerzen die er ob der Unmenschlichkeit auf der Erde spürte. Wurde er davon auch „Schwach“.
Und ging er dann so „schwach“ auf die Alp und war total überfordert?
Und der andauernde Schmerz zusammen mit der Überforderung war nicht mehr aushaltbar für ihn?
Und wie Hilde Gött gestern in einem Gedicht sagte: der Ohrwurm „ich will nicht mehr leben“ war laut und ständig Da.

Wenn ich sehe was mich gerade alles überfordert, zu sehr fordert. Wie wenig mir möglich ist und eine Alp alleine schon gar nicht.

Dann kann komme ich einem Verstehen meines Sohnes näher.
Die Menge der Verzweiflung, des nicht mehr aufhörenden Schmerzes die sein Tod auslöste,lässt mich, die ich immer gerne lebte, seinen Weg mit mehr Verständnis sehen.
Und wer bin ich dass ich ihm dass ich sagen kann: Kind was war so „SO“ schlimm?-
Wenn es so ist dass er sich von dem Leid der Erde nicht abgrenzen konnte, ausser durch Cannabis- dann wächst in mir Verständnis für seinen Weg.
Tief einatmen-
das habe ich geschrieben
Mit Angst
Mit Schuld
all das nicht gewusst, nicht erkannt zu haben.

Doch hätte mein erkenne ihn aufgehalten?
Das werde ich nie wissen

Liebes Leben

blick von der Hütte Mai

Liebes Leben,

welche Mühe habe ich seit Ostern, dich mein Leben zu leben.

Und jeden Tag gehst Du , mein Leben weiter. Machst nie nie Pause. Jeden trage ich Dich- Dch ! das bist Du! – mein Leben. Mein einziges.

Meine Glieder, meine Muskeln, mein Herz – alles, auch wirklich alles in mir ist müde Dich zu Leben.

Meine mir eigene Lebendigkeit schläft die meiste Zeit des Tages in mir.

Meine Kräfte Dich mein Leben, mit meinem Toten Kind zu tragen sind Müde, so Müde.

Nach fast 2 Jahren.

und ich merke

das Helio`s Anwesenheit sich für mich verändert.

Merke wenn ich sein Bild anschaue, veränderte Gefühle in mir.

Einen mich erschreckenden Abstand zu der Abbildung, die entstand als er lebte und die die Realität seines Todes nicht mehr ausfüllt.

In der Sprache der Trauerprozesse las ich heute dass das die 3 Phase der Ablösung ist.

Die Gefühle in mir erinnern mich an die Zeit als Helio begann sich mit 11,12 von Zuhause zu lösen und immer mehr in seine eigenen Bewegungen ging.

heute

heute

heute ist es nun 19 Uhr

und bald ist der Tag vorbei

und ich kann die schwere des Tages ins Bett legen und

in den Segen des Schlafes gehen.

An manchen Tage möchte ich schon  das der Tag vormittag um 11

vorbei ist

was ich möchte geht nicht

weiterleben weiterleben weiterleben und

immer immer immer wissen

mit jedem Tag den ich lebe

ist mein Kind einen weiteren Tag tot

werden die Tage mehr die sich ansammeln

ohne Ihn

mit jedem Tag liegt seit Erdenlebenszeit einen weiter zurück.

Mein lächeln des Tages verdanke ich dem Kater im Blumenkasten in dem die Kürbiskerne ruhen und kein wunderschöner Kürbikeimling sich zeigt- bis jetzt

vielleicht morgen, hervorgerufen durch der warmen schwarzen Katzenbauch

Iris Ursula

Trauer