Satya Singh

Sehr geehrter Satya Singh Khalsa Wester
ich schreibe an Sie, weil ich Fragen zum Tod, zum Tod durch Suizid habe.
Weil mein Sohn sich mit 19 einhalb Jahren am 30.06.2013 auf der Alp erhängte. Nachts.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn es Ihnen möglich ist, wenn Sie mir Antwort geben können zu meinen Gedanken, zu meinen Fragen.
Ich schreibe Ihnen weil ich Antworten Suche, nach der spirituellen Ebene des Suizids.
Dem „Wesen“ des Todes durch Suizid.
Ich suche nach Religionen, nach Schriften, wo der Weg meines Sohnes liebevoll, warm angeschaut wird. Ich weiß nicht, ob ich von Weg/Wahl sprechen kann, das gehört zu den vielen Fragen.
In Ihrem Buch, las ich ein wenig Wärme und Verständnis zu Suizid.
Ganz verstehe ich ihn nicht, den ersten Absatz auf Seite 79, (das Yoga Buch vom Leben und Sterben). Doch in mir entstand ein Gefühl, für einen offenen Raum, was dass sein könnte- dieser Suizid.
Meine Fragen
Ich komme aus dem bayerisch katholischen Kulturkreis. Da kommt der Tot und holt dich ab.
Wurde mein Sohn Helio abgeholt, wie meine Oma? Wie das Kind bei einem Autounfall usw.?
Und in mir entstand das Bild, das Helio winkte, und der Tot sagt: „Ja“ ist gut, ich richte alles so ein,- deine Kraft und Klarheit, den Ort- und dann ist deine Zeit da“.
Aber immer wieder lese ich, das die Zeit „nicht da ist“ bei Menschen die selber Hand an sich legen. Das dieser Weg schwierig ist für die Seelen.
Verboten, verachtet, verpönt und bestraft wird dieser Weg, im dieseits und im jenseits.
Manche legen Hand an sich, und es klappt nicht. Da ist die Zeit wohl nicht da?
Aber wenn es klappt, beim ersten mal, in jungen Jahren, WIESO ist dann die Zeit nicht da?
Das Prana noch nicht verbraucht?
Die großen Wirkkräfte ermöglichten ein Gelingen, bei meinem Sohn. Und bei so vielen vielen anderen.
Wieder andere tun viel dazu ihr Leben zu verkürzen. Gehen rücksichtslos mit ihrem Leben um, gehen hohe Risiken ein, Trinken etc. – doch den tatsächlich alles beendenden Schritt tun sie nicht. Doch das ist alles kein Suizid. Und es wird auch nicht so gesehen in den großen Religionen. Wenngleich der Mensch natürlich zu einer gesunden Lebensweise angehalten ist. Wo sehen Sie den Unterschied?
Wie ist es mit den (schwierigen) Gedanken zu Krankheit und dem Tod. Manche sterben, manche werden Gesund. Manche Menschen wagen vom Lebenswillen zu sprechen der auf die Heilung Einfluss hat.
Aber in der Hand hat es doch weder der Arzt noch der Kranke?
Wieso hat der Suizidale dann soweit mehr seinen Tod in der Hand?
Er führt (nur) aktive, zum Tod führende Handlungen aus.
Und allermeist ist es ein Versuch und gelingt nicht.
Was mir als Mutter solch große Schmerzen bereitet ist, dass mein Sohn so alleine war in seiner Entscheidung und Handlung. So alleine mit sich und dem Tod.
Ich weiss dass ich mich mit folgenden Gedanken dem schwierigsten Feld der Sterbehilfe nähere.
Und machnmal wage ich es doch weiter zu spinnen diese Gedanken.
Ein Suizid ohne Schrecken und Tabu, hätte es vielleicht es möglich gemacht, dass Helio das Vertrauen gehabt hätte, mit mir oder anderen über seinen Wunsch zu sprechen. Und ich oder andere ihn hätten begleiten können oder ermutigen können zu Leben- wobei, ich vermute genau dass suchte er zu vermeiden. Und so tat er es alleine.
Mir hätte es das Herz zerissen ihn zu begleiten. Doch so tut es mir die Einsamkeit seiner Handlung auch.
Wobei ich natürlich nicht weiß, ob (!?) er sich einsam fühlte.
Mir ist als wäre der Suizid global „nicht frei gegeben“, mit „Tabu“ belegt.
Was wäre wenn er frei gegeben ist?
Welche Ängste mögen sich hinter dem Tabu verbergen?

Ich wünsche mir über Glaubensschriften, einen Faden zu bekommen, was der Suizid sein könnte aus spiritueller Sicht. Mir scheint im japanischen Buddismus oder im Hinduismus lässt sich am ehesten dazu was finden.
Schriften, wo diese Wahl eines Menschen, die doch auch nur gelingen kann wenn die Wirkkräfte das ihre dazu geben, anerkannt ist, als ein weiterer Weg aus dem Leben zu gehen. Wo dieser Weg mit Achtung betrachtet wird. Dieser spezielle Weg, auf die andere Seite zu kommen. Als (Aus)weg, um das oft beschrieben Leid der irdischen Existenz, zu verlassen. An einen selbst bestimmten oder gewählten Zeitpunkt. Als ein Weg von vielen Wegen. Wo der Lebende zum Tot die Hand hinreicht und der Tot sie nimmt.Und Umgekehrt.
Wer ist überhaupt zuerst wohl da? Winkt der Tot oder der Mensch?
Ich kann mit dem Tod Leben. Ich bin gesegnet mit Freude am Leben, ohne Angst vor dem Tod, ohne Wunsch nach dem Tod. Für mich ist das Leben keine Mühe. Es ist mir gegeben worden dieses mein Leben. Und die Schicksalsweberinnen webten mir Muster rein, die Schwere haben, auch für den hiesigen Kulturkreis. Die Farben des Schmerzes kommen viel darin vor. Und doch ist mir Unzufriedenheit fremd.
Die Entscheidung die Helio, nach Leid, Weltleid und mit Cannabis traf, ist mir Wesensfremd.
Der Tod, ist mir nicht Wesensfremd. Der Unfall, die Krankheit haben in meinem Verstehen der Welt ihren Platz.
Nicht ganz so frei, wie sie dass beschreiben auf Seite Seite 98, doch ich kann es spüren in mir, als den Lauf der Dinge.
Mein Sohn, mein geliebtes Kind, ging einen anderen Weg. Und weder in mir, noch im geschriebenen Wort finde ich Platz für diesen, seinen Weg. Der doch der Weg von so vielen ist.
Und auch aus sehr verschiedenen Motiven.
Ich spreche viel mit Menschen die seit vielen vielen Jahren einen Todeswunsch haben. Deren Bindung an ihr Erdenleben nicht „fest“ ist. Die es jedoch nicht tun. Vor allem aus Angst oder Feigheit vor diesem letzten Schritt. Diese Meschen habe sehr viel Achtung vor Helio.
Mir der Erdgebunden fehlt diese Achtung. Eine in mir, sieht es als ausweichen an. Ausweichen den Nöten, die es gibt im Leben. Mit dem Suizid ist alles alles vorbei an Nöten in diesem Erdenleben.
Das mit der Mitnahme der Nöte ins nächste Leben ist mir zu abstrakt, zu geistig theoretisch.
Überhaupt fehlt mir manches bei der Vorstellung der Reinkarniation.
Wieso kommt das Erinnern an die vorherigen Leben so selten vor, oder ist nur mit Hilfe möglich? Könnten nicht die Träume, dieser oft unbekannt Nachtwelt, eine Erinnerung sein an vorige Leben?
Wieso las ich noch nirgendwo etwas, das ich, wenigstens ich die Mutter, mein Kind ihn seiner neuen Hülle erkennen kann?
Ich glaube das ich Anteile erkennen kann. Denn es geschieht, dass mir unbekannte Menschen mein Leben streifen, auf der Strasse oder anders wo und ich die Atmossphäre von Helio spüre.
Und ich anhalte und der Mut mir auf der Zunge liegt und ich sie anspreche. Warme Reaktionen kamen die beiden Male. Und ich kann nun sie aufsuchen und in der Atmosspäre oder Aura von Helio sein/baden.
In einem Seelenanteil von ihm?!
Die Frage dazu ist: kommt eine Seele als ganzes in einen neuen Körper. Oder kann sie sich aufteilen auf viele Körper. Und können Anteile von ihm noch auf Erden sein? Und nur der, den ich kannte ist gegangen?
Steht irgenwo darüber was geschrieben? Ich wünsche mir meine Erfahrungen zu teilen und mich eingebunden zu fühlen in Mythen und Gedanken die die Zeiten überdauerten.
Die psychologische Betrachungsweise des Suizids ist mir zu einseitig. Geistige oder spirituelle Sichtweisen, die nicht Vorbehalte oder Ablehnung formuieren, fand ich bisher nicht
So forsche ich, stelle Fragen, suche nach Mythen (wurde kaum fündig bisher), lese, und versuche mich diesem seinem Weg anzunähern.
Ich wünsche mir mein Kind achten zu können, in seiner Entscheidung. Und ich wünsche mir Orte, Religion, Glauben wo er und all den vielen anderen Achtung gegeben wird.
Ich befürchte ich habe mich einige mal wiederholt, habe meine Fragen nicht sehr konkret gestellt. Habe es von dieser und der anderen Seite Betrachungen angestellt. Entschuldigen Sie dass es mir nicht möglich ist, die Fragen konkreter zu formulieren.
Ich bin dankbar und gespannt auf Ihre Antwort. Und wenn es ihre Zeit gerade nicht erlaubt oder sie meinen ein anderer Mensch wüsste auch noch anderes zu meinen Fragen und Gedanken zu sagen, leiten Sie meine mail gerne weiter.
So wünsche ich Ihnen
dunkle, innehaltende Dezember Tage und Nächte

Iris Jäger
Mutter von Helio Jäger, der auf die andere Seite ging

Liebe Iris,

Ich bin die feste Überzeugung, dass die beherrschende Kraft der Universums das Mitgefühl ist (und das Schuld eher ein Ausdruck von Hilflosigkeit ist). Und, dass Helio nicht einfach fallen gelassen wird. Es gibt tatsächlich Berichte von Nah-Tod-Erlebnisse, wo jemand der Selbstmord versucht zu begehen, in die gleiche zweite Ätherschicht kommt wie allen anderen auch, wo jeder erst mit universelle Liebe empfangen wird, bevor er anfängt seine Lebenserfahrung zu bearbeiten.

Ich bin auch überzeugt, dass jede Seele in seine oder ihre Entwicklung wenigstens einmal Selbstmord (wahrscheinlich mehrfach) begeht, sei es auch nur um zu sehen, dass das kein Weg aus der Depression ist und das die gleiche Erfahrungen, die zu diesen Ende führten noch mal erlebt werden müssen- diesmal hoffentlich mit einer bessere Vorbereitung, so wie sie in höhere Ätherschichten geübt wird (Depression braucht Hingabe und Dienen um sie zu überwinden). Deshalb sehe ich auch Selbstmord nicht als ein Ende der Entwicklung aber als einer der heftige Lernschritte, die jede Seele irgendwann erlebt.

Trotzdem gibt es tatsächlich im Yoga die Vorstellung, dass es schwer ist aus dem Magnetfeld der Erde heraus zu kommen als Seele, wenn das Prana nicht verbraucht ist. Es kann sogar sein, dass er abgeholt wurde, aber nicht bereit war mit zu gehen. Das kann die Entwicklung einer Seele beachtlich verzögern (es gibt allerdings auch hier spätere Hilfestellungen von Lichtwesen, die Unterstützung anbieten). Es ist nicht sicher, dass das Helio passiert is, aber es kann schon sein, und vielleicht sind ihre Wahrnehmungen seines Spirits sogar ein Zeichen dafür, dass das so ist.

Deshalb würde ich ein paar Dinge empfehlen:
A. Um Helio zu unterstützen durch die Tunnel zu gehen (für den Fall, dass er noch nicht hindurch ist) das Mantra AKAAAAAL singen (steht in dem Buch und auch auf die Website) 11 oder noch besser 31 Min. lang, möglichst zusammen mit anderen um ihm nachträglich zu helfen den Weg aus dem Magnetfeld zu finden. Immer mal wieder Perioden von 40 Tage jeden Tag dieses Mantra bis sie das inneren Gefühl haben, er ist weg von dieser Erde und auf seinem weiteren Weg durch die Äther…..

B. Helio ist einer ihren größten Lehrer, wahrscheinlich der größte. Ihre Auseinandersetzung mit sein Sterben wird Ihnen sehr viel weiter bringen. Das ist gleichzeitig auch die Respektbezeugung und Ehrung, die sie ihm geben können. Dafür würde ich erst mal 40 Tage die Meditation Hari Nam Tat Sat Tat Sat Hari machen (steht auch in dem Buch). Aber dieses Lernprozess wird nie aufhören und sie total verändern (suchen Sie sich ein LehrerIn Kundalini Yoga oder ein vergleichbaren Weg). Das ist ein großer Grund für Dankbarkeit an Helio und wenn Sie dann irgendwann den inneren Frieden finden, ist es das Beste, was Sie für ihm machen können.

Sat Nam, ich wünsche Ihnen viel Segen auf ihrem Weg,

Satya Singh

Liebe Iris Jäger,

Danke für ihr unterstützendes Feedback. Ich freute mich, dass Sie zurückgeschrieben haben. Meine Antworten mit *****
Eine Frage ist durch ihre mail in mir entstanden. Kann jemand der Suizid begeht, abgeholt werden obwohl er nicht bereit war oder ist zu gehen? Ich vermutete so etwas eher bei Unfällen oder Mord.

***** Der Abholer ist ein spirituellen Lehrer. Dazu gehört die Fähigkeit den Gegenüber durch seine Negativität hindurch zu helfen und das aus zu halten. Ob die Chance durch der Verstorbene aufgenommen wird ist natürlich nicht sicher, aber eine gute Chance gibt es.
Und wenn sie mir noch etwas aus ihrer Erfahrung oder Ihrem Wissen schreiben können, woher dieses grosse Tabu das auf dem Suizid liegt begründet liegt.

****** Suizid ist sehr ansteckend. Deshalb ist es schon korrekt da zurückhaltend und bewusst mit um zu gehen (natürlich ohne diese kontraproduktive Schuld-Thematik), weil es nicht der einfachste Weg ist auf eine positive Weise zu sterben.

****** Dharma Singh dharma@dharmatraining.de ist ein Freund von mir, betreibt ein alternatives Bestattungs-Institut in Freiburg und gibt (manchmal auch in München) ein Training über Trauer und Sterbebegleitung, die er Dharmatraining nennt. Ich kann ihn sehr empfehlen.

mit herzlichem Gruß, Sat Nam, Satya Singh

Veröffentlicht von

liowa

ich bin 45 als mein 19 Jähriger Sohn sich das Leben nahm war ich 43 ich brauche gerade diese Zahlen um mich zu verorten wo ich gerade bin in der Zeit. Ich LEBE mit meinem toten Kind. Erlebe mein Leben mit meinem Toten Kind. Andere Menschen leben mit ihrem lebendigen Kindern- ich nicht mehr. Auch das Leben mit meinem toten Kind ist möglich

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