antwort 1

Du Liebe, Hallo!
Deine Worte haben mich sehr berührt. Bewegen mich immer wieder…
Ich staune, wie weit Du bereit bist, Helio zu folgen.
Ich bewunder Deinen Mut zur Offenheit.
Ich kannte Helio nicht.
Gedanken zum Sterben und Tod…
Ich mache seit Utes Sterben auf neue Weise die Erfahrung, was für eine Sogwirkung Todin haben kann. Ein Tor, welches offen steht und es bedarf meiner bewußten Entscheidung, nicht hindurch zu gehen. Zumindest nicht auf dem Weg des Strebens. Des Körper Abstreifens. Vielleicht geht es auch anders?
Vielleicht…
Ich hatte das Glück, grade noch zu einem Zeitpunkt von der Alp zurück in Portugal zu sein, als Ute noch lebte. Ich war in ihren letzten Tagen auf E1 auf ihrem Land. Habe ein bisschen geholfen.
Ute sah so lebendig aus in ihrem Sterben. War ganz da. Ganz in ihrem Körper. Und ebenso als Tote. Lebendige Tote.
Nach Utes Tod war ich lange in einem seltsamen Zustand. Hatte einige Beinahunfälle, echt krasse, wirklich brenslige. Die Todin war stets präsent. Ich konnte ihre Hand auf meiner Schulter spüren. Sie gemahnte mich zur Eile. Zum genau prüfen, was jetzt meine lebendigste  Antwort auf die Frage des Lebens sein kann. Immer jetzt. So fragil, zerbrechlich das Leben. Ich werde sterben. So wirklich gewußt mit jeder Körperzelle habe ich es zuvor selten. Und noch seltener ohne Angst. Dies Bewußtsein hat mir für eine Weile eine Intensität für den Augenblick geschenkt, ein Lebendigkeit und Leichtigkeit.
Ich lebe in gewissen Phasen meines Lebens mit der Option, die Helio dann tatsächlich gewählt hat. Einerseits kenne ich die Angst vor dem Streben. Oder eigentlich ist es eher die Angst, nicht gelebt, nicht alles geworden zu sein, was ich bin und nicht zur Verfügung gestellt zu haben, bevor ich strebe. Dann kenne ich das Gefühl, nicht leben und lieber tod sein zu wollen. Auch, weil es mir so zeitweise unmöglich erscheint, zu werden unter den Bedingungen dieser Zeit und in mir, die ich bin.
Suizid- manchmal der von mir geglaubte letzte Ausweg aus Unerträglichkeiten. Das Ende des Schmerzes, keinen Ort hier zu finden, nirgends. Das Ende der Taubheit. Des abgeschnitten Wähnens von Lebendigem. Dem Gefühl, nicht entkommen zu können, den inneren und äußeren Mustern und Konditionierungen und der aus ihnen entstehenden Enge und dem Druck… Der Hoffnungslosigkeit und bedrückenden Schwere.
Aber etwas hat mich immer abgehalten, tatsächlich durch dieses Tor zu gehen.
Ich glaube da nicht an Sünde und Schuld oder so. Aber ich bin überzeugt, dass es kein Entkommen gibt. Ich kann mich nicht absetzen. Mich nicht entziehen. Grundlegend würde sich eben nichts ändern. Auch durch meinen Suizid nicht. Die Essenz dessen, was ich bin, exitiert ja weiter. Und würde und wird igendwann, irgendwo wieder in Erscheinung treten.
Und tatsächlich wächst meine Sehnsucht nach Lebendigkeit, lebendigem Sein mehr und mehr, seitdem ich Ute begegnet bin, Lebendigkeit geschmeckt habe und  zumindest für kurze Augenblicke wußte wer ich bin, worin ich gründe, wo mein Ort ist. Die Sinnfrage wurde unwichtiger und entlarvt als Folge davon, meines Grundes veflustig geworden zu sein. Wieder und wieder.
Und wieder und wieder rausche ich in Tiefen, in Bewegungslosigkeiten, scheinbare Auswegslosigkeiten, wo ich mich wieder auf´s Neue konfrontiert sehe mit meinem Nicht-mehr-am-Leben-sein-Wollen. Wieder und wieder zerfallen Gewißheiten, bröseln Verbindungen, Verbundenheiten, versickern Freude und Lust an allem.
Und irgendwann kamen sie bisher immer wieder. Mal früher, mal später. Zum Glück bislang nicht zu spät.
Tod, die unausweichliche Tatsache, dass ich irgendwann sterben werde, beinhaltet sowohl ein Gefühl der Ohnmacht, weil ich daran nichts ändern kann und andererseit ein Gefühl der Eigenmacht, weil mir dies niemand nehmen kann und ich mitbestimme, wie ich gehen werde. Mit Hingabe? Indem ich den Zeitpunkt selbst bestimme? Mit Widerstand? Mit Zärtlichkeit für die Vergänglichkeit?

Veröffentlicht von

liowa

ich bin 45 als mein 19 Jähriger Sohn sich das Leben nahm war ich 43 ich brauche gerade diese Zahlen um mich zu verorten wo ich gerade bin in der Zeit. Ich LEBE mit meinem toten Kind. Erlebe mein Leben mit meinem Toten Kind. Andere Menschen leben mit ihrem lebendigen Kindern- ich nicht mehr. Auch das Leben mit meinem toten Kind ist möglich

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